Rumänien
2000
-unterwegs im Karpatenland

Die Anspannung wird mit
jedem Meter, den wir uns der rumänischen Grenze nähern, größer und größer.
Jetzt ist es also gleich soweit.
Wir werden endlich die Grenze überschreiten vor der wir schon so einige Male
standen und uns immer wieder fragten, wie es da wohl ist, im Karpatenland.
Doch
jedes Mal drehten wir wieder um und tourten stattdessen durch Ungarn, Slowenien,
Italien oder Österreich.
Hatte uns doch schließlich
jeder, dem wir von unserem Plan erzählten, dringendst davon abgeraten Rumänien
zu bereisen. Geschichten von geklauten Hinterrädern, abmontierten Spiegeln,
aufgeschlitzten Sitzbänken oder gleich komplett geklauten Motorrädern und
Autos hatten wir schon zuhauf gehört. Auch die Fernsehberichte über rumänische Kinderheime, die Sicherheitslage im
Lande und die Bandenkriminalität machten uns unser Ziel nicht gerade
erstrebenswerter.
Doch hatten wir im
Fernsehen auch die altertümlichen Dörfer, die Karpatenlandschaft und die großen
Waldgebiete – in denen es noch Bären und Wölfe gibt !- gesehen und wollten
uns nun endlich selbst ein Bild machen.
Die Anfahrt – via
Tschechien, Slowakei und Nordostungarn- verlief schon alles
andere als planmäßig und war sehr abenteuerlich. Am Abreisetag (einem Freitag)
gegen 21.30h, waren wir auf der Autobahn südöstlich von Prag unterwegs als
urplötzlich der Motor unserer Africa - Twin den Dienst quittiert. Nach einigem Forschen im trüben Licht der Taschenlampe, stellt sich schnell die
Benzinpumpe als Übeltäter
heraus.
Dummerweise spricht der
Mann am anderen Ende der Notrufsäule ausschließlich tschechisch, sodass Hilfe hier beim besten Willen nicht zu erwarten ist. SCH.......!!!!!!!!!!!
Mit dem Mut der
Verzweiflung mache ich mich also selbst über die Pumpe her und kriege sie
mittels Schleifpapier und Kontaktspray auch wieder zum Laufen.
Aber das nächste
Problem steht schon in den Startlöchern.
Es lässt sich einfach
keine Unterkunft finden. Es ist mittlerweile bereits 23.30h als wir aus dem
x-ten Hotel kommen und noch immer kein Zimmer vorweisen können. Wir irren
gerade durch ein kleines Städtchen als Tanja zwei Frauen anspricht um nach
weiteren Übernachtungsmöglichkeiten für uns zu fragen. Die beiden entpuppen
sich schnell als dem horizontalen Gewerbe zugehörig; umso mehr wundert es uns
deshalb als sie ihren Arbeitsplatz verlassen, ins eigene Auto steigen und uns zu
verstehen geben, dass wir ihnen folgen sollen.
Nach 40 km!!
durch die Nacht wird mir langsam mulmig und als die beiden auf einen Feldweg
abbiegen (zudem ein Auto hinter uns mit abbiegt!) fange ich schon an, mir die übelsten
Horrorszenarien auszumalen. Doch das scheinbar verfolgende Auto ist nur Zufall
und der Feldweg führt uns geradewegs zu einem einfachen Hotel in dem wir auch
prompt ein Zimmer bekommen. Völlig fertig fallen wir gegen 1.30h in die Betten.
Doch zurück zur Grenze.
Die Formalitäten – einschließlich Ausstellen des Visums - gehen
unerwartet flott und
unkompliziert vonstatten. Jetzt sind wir also drin!
Das rumänische
Beschilderungen nicht immer der gleichen Meinung mit unserer
ADAC-Karte sind, lernen
wir bereits in Satu Mare, der ersten größeren Stadt kurz hinter der Grenze.
Beharrliches Befragen der Bevölkerung nach dem rechten Weg führt zu ersten
Kontakten und der Erkenntnis, dass wir uns schleunigst ein Wörterbuch
anschaffen sollten. Doch nach einer Stunde des Suchens und Ausprobierens haben
wir die Stadt hinter uns gelassen und sind auf Landstraßen Richtung Maramuresch
unterwegs.
Dieses nördlichste
Gebiet Rumäniens ist ein guter Anfang für eine Tour die dem Karpatenbogen
folgen soll. Die Maramuresch ist nur
dünn besiedelt und zeichnet sich vor allem durch seine Ursprünglichkeit, die
traditionelle Holzarchitektur der Bauernhäuser sowie durch die würzige
Bergluft der hier langsam ansteigenden Karpaten, aus. Oft kommt es vor, das wir
20 oder mehr km über kleine (und meist schlechte) Landstraßen fahren ohne das
uns auch nur ein einziges Auto entgegenkäme. Das bevorzugte Verkehrsmittel ist
ohnehin das Pferdefuhrwerk.
Die Abgeschiedenheit hat
aber auch zur Folge, dass wir häufig lange suchen müssen um eine Übernachtungsmöglichkeit
zu finden.
Nach 4 Tagen der
Regeneration und Einstimmen auf Land und Leute zieht es uns weiter Richtung
Osten. Über herrlich
kurvenreiche Gebirgsstraßen und an unzähligen Bächen entlangfahrend erreichen
wir am frühen Abend Putna; nah der ukrainischen Grenze im Gebiet der Süd -
Bukowina. Dieses Gebiet ist heute Teil der Region Moldau und innerhalb der
Balkanstaaten recht bekannt für seine imposanten und weltweit einzigartigen
Klosterbauten die, durchgängig mit Außenfresken bemalt, zumeist von einem
gewaltigen Mauergeviert umgeben sind.
Die bekanntesten
Moldauklöster sind Humor, Moldovita, Voronet, Sucevita und Arbore. Sie sind in
der byzantinischen sowie der internationalen Architektur einzigartig und
unbedingt einen Besuch wert. Diese Klosterkirchen gehören dem rumänisch -
orthodoxen
Glauben an (wie auch ca. 80% der Bevölkerung) und werden aktiv von Nonnen und Mönchen
bewohnt und bewirtschaftet. Geradezu unglaublich ist die unerwartet offene Fröhlichkeit
und Neugier einiger Nonnen am Kloster Moldovita.
Diese empfingen uns
wirklich sehr herzlich und nahmen erst mal unsere Helme in Beschlag um diese zu
putzen und – als die Oberin außer Sicht war - auch gleich mal aufzusetzen.
Verblüffend ist auch hier wieder, wie viele – v.a. ältere Menschen - sehr gut
deutsch sprechen.

Der Ort Putna eignet
sich sehr gut für Ausflüge zu den Klöstern oder in die, hier noch eher
sanften, Karpaten. Zudem haben wir bei Dorina in ihrer „Cabana“ (Berghütte)
eine sehr angenehme Unterkunft gefunden, sodass wir uns erst nach 5 Tagen losreißen
können. Da es kaum noch weiter
östlich geht, halten wir uns südlich und fahren über den
Ciumirna
- Paß. Dieser hat zwar nur 1190m ü. NN aufzuweisen, doch dafür ist die Straße
in gutem Zustand, der Asphalt griffig und die Kurvenverläufe einfach genial.
Doch auch diese fantastische Landstraße endet irgendwann an einer Bundesstraße
und wir müssen uns entscheiden ob wir den großen Umweg rechts, den sehr großen
Umweg links, oder wir versuchen sollten, geradewegs über eine sehr
schwach eingezeichnete Straße den vor uns liegenden Bergkamm zu überqueren.
Wir entscheiden uns für den direkten Weg und damit für eine echte fahrerische
Herausforderung (zumindest dann, wenn man mit einer Africa Twin, Sozia und ca.
40 kg Überladung unterwegs ist).
Die
„Straße“ beginnt ganz manierlich und geht nach ca. 2km in eine geschotterte
Forststraße über und wird mit jedem gewonnenen Höhenmeter steiler, schmaler
und die herumliegenden Gesteinsbrocken immer größer. Schon nach kurzer Zeit
geht es nur noch mit schleifender Kupplung im ersten Gang um allerengste
Schotterserpentinen. Teils schlammig, teils halbmetertiefe Auswaschungen die zur
Krönung überdies noch mit großen Gesteinsbrocken garniert sind. Die
Temperaturanzeige ist jenseits von Gut und Böse und ich gebe mir die allergrößte
Mühe nur ja nicht stehenzubleiben. Vereinzelt
entgegenkommende Wandergruppen bestaunen ungläubig aber freundlich unsere
Kletterpartie. Endlich am Gipfel angekommen stürmen wir sofort eine kleine
bewirtschaftete Cabana um bei einem Kaffee unseren Adrenalinspiegel wieder in
gemäßigte Regionen zu bringen. Doch was wir dann sehen ist einfach nicht zu
glauben:
da
oben stehen doch tatsächlich ganz normale Autos, sogar ein kleiner Transporter
ist dabei!
Des
Rätsels Lösung ist allerdings ganz banal: so ein Bergkamm hat schließlich
zwei Seiten. Die eine ist ganz passabel zu befahren und die andere....nun ja,
die sind wir gefahren.
Stolz
auf diese Leistung kommen wir am Abend in Agapia an.
Das
gleichnamige Kloster liegt zentral im Dorf und soll laut Reiseführer
Fremdenzimmer mit Klosterflair vermieten. Dummerweise wird gerade renoviert. Wir
kommen aber nur wenige Kilometer entfernt in einem kleinen, billigen Hotel
unter. Da die Gegend außer immer noch mehr Klöstern nicht viel zu bieten hat,
fahren wir am nächsten Tag weiter nach Sighisoara (Schäßburg) in
Nordtranssilvanien.
Vlad
Tepes´s - (besser bekannt unter dem Namen Dracula) - Geburtsstadt ist eine der
idyllischsten Städte Transsylvaniens. Die Stadt in der Tarnava - Hochebene, am
gleichnamigen Fluß, übt eine besondere Faszination auf den Besucher aus, da
hier noch der vollständige, mittelalterliche Stadtkern erhalten ist. Den Rumänen
gilt sie als schönste, bewohnte Burg Europas. Und in der Tat gleicht es einer
Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte, wenn man sich durch die kleinen Gassen mit
ihren windschiefen rosa,- hellblau oder gelb gestrichenen Handwerkerhäusern
treiben lässt. Aber auch die Umgebung Schäßburgs ist einen Abstecher wert.
Nur
wenige Kilometer südlich liegt Apold (Trappold), ein kleines bäuerliches Nest
in das sich nur wenige Autos verirren und das schon von weitem durch seine
wuchtige Kirchenburg aus dem frühen 16. Jhd. beeindruckt. Doch leider ist die
Eingangstür verschlossen, sodass wir nach den üblichen Dias (von außen) schon
wieder aufbrechen wollen als ein Junge aufgeregt angeradelt kommt und mit einem
gigantischen Schlüssel herumfuchtelt. Der Junge spricht passabel Deutsch und die uns gewährte
Exklusivführung ist wirklich fantastisch!
Es
vergehen abermals 4 herrliche Tage ehe wir uns von den Sehenswürdigkeiten und
kulinarischen Vorzügen Schäßburg's trennen können um weiter Richtung Südosten
vorzudringen. Unser Ziel ist das, beinahe schon großstädtische, Brasov
(Kronstadt) mit seinen vielen, z.T. schon restaurierten, alten Bürgerhäusern,
dem großen, dreieckigen Rathausplatz und vielen anderen Sehenswürdigkeiten,
die malerisch von den drei Anhöhen Timpa (die Zinne), Schneckenberg und
Schlossberg eingerahmt sind.
Doch
als wir schon am Mittag die nur 120km hinter uns gebracht haben, empfängt uns die
Stadt mit einem solchen Lärm und den – bisher - dichtesten Rußwolken rumänischer
LKW, dass wir nicht lange überlegen und in die hinter der Stadt liegenden Berge
flüchten.
Nach
soviel städtischen „Reizen“ dürstet es uns dann doch eher nach der Ruhe
und Abgeschiedenheit in den Karpatendörfern. Nur knapp 30km entfernt liegt
Predeal, die mit etwas über 1000m ü.NN höchste Stadt Rumäniens.
Hier
gibt es eine große Auswahl an Pensionen der mittleren bis gehobenen
Preisklasse, da diese Region die Hochburg des rumänischen Wintersports
darstellt. Schnell werden wir fündig und nisten uns am Aufstieg zum Muntii
Baiului, etwas außerhalb des Zentrums, ein.
Wunderschön
zwischen Bucegi,- und Baiului - Gebirge gelegen, ist es eine gute Ausgangsbasis
für Abstecher ins gebirgige Umland. Nur ca. 30 –viel zu kurze- grandiose
Kurvenkilometer entfernt liegt das kleine Städtchen Bran mit der Törzburg in
der Mitte, in der - der Legende nach - Dracula gelebt haben soll. Diese fragwürdige
und historisch nicht belegte Attraktion ist nur sehr bedingt zu empfehlen,
selbst eingefleischte Fans werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Außer
reichlich Touristennepp, viel Kitsch und einer sehr schlecht ausgestatteten und
ziemlich langweiligen Burg ist hier nicht viel zu sehen.
Ganz
im Gegensatz dazu sollte das Schloß Peles unbedingt besucht werden. Es liegt
ca. 25km südlich, dem Prehovatal folgend in dem ziemlich mondänen
Wintersport,- und Luftkurort Sinaia. Schloß Peles ist ein pittoresker Bau der
mit gotischen und Renessaince - Elementen an spätmittelalterliche, deutsche
Burgen erinnert. Im Innern verteilt sich in 160 Räumen ein erstaunliches und
beeindruckendes Sammelsurium an verschiedenen Stilarten. Ceausescu
fand das auch und hielt hier bis 1989 gerne königlich Hof.
Eine
schöne Wanderung auf den hervorragend ausgeschilderten Wanderwegen durch die
Bergwelt beschließt unseren Aufenthalt in Predeal. Knapp
200km in westlicher Richtung liegt Sibiu (Hermannstadt). Die Fahrt dorthin soll
unser einziger Regentag während der Tour bleiben. Routiniert halten wir die
Augen offen um eine Touristeninfo ausfindig zu machen, doch es läßt sich beim
besten Willen nichts finden.
Nach
mehr als einer Stunde ergebnisloser Suche in strömendem Regen beauftragten wir
einen Taxifahrer uns zu einer Touristeninfo zu führen. Die
beiden älteren Damen in dem Touristenbüro sind sehr irritiert ob unseres
Wunsches nach einer „privaten“? Übernachtungsmöglichkeit. Nach einigen
Telefonaten wird mir ziemlich unwillig eine Adresse aufgeschrieben die wir auch
recht schnell ausfindig machen.
Wir
müssen uns aber mehrmals vergewissern das dies wirklich die richtige Adresse
ist, schließlich ist es auch für uns recht ungewöhnlich in einem
15-Familien-Miethaus mitten in der Stadt unterzukommen. Doch die Vermieterin ist
nett und freundlich und so richten wir uns häuslich ein. Ungewöhnlich ist nur,
das die Wohnung sehr klein ist und wir keine Ahnung haben wo wohl die
Vermieterin schlafen will, da es lediglich eine ausziehbare Couch gibt.
Als
sie ins dann noch in rumänisch erklärt wie der Kühlschrank zu benutzen, die
Blumen zu gießen und der Heißwasserboiler zu bedienen ist, sich zudem immer
wieder bestätigen lässt das wir 4 Nächte zu bleiben gedenken, wird das ganze
immer mysteriöser. Als die Frau uns dann am späten Abend die Schlüssel überreicht
und sich die kommenden Tage nicht mehr blicken läßt wird uns so langsam klar,
dass wir keine Pensionsunterkunft, sondern gleich eine ganze Wohnung
gemietet haben!!!!
Deswegen
müssen wir halt auch die Blumen gießen, die Post raufholen und mit den erstaunlich
vielen und häufigen Besuchern klarkommen die immer sehr verwirrt reagieren wenn
anstelle der Besitzerin wir die Türe öffnen.
Sibiu ist eine schöne Stadt mit
mittelalterlichem Charme, großem Rathausplatz und vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten.
Da
unser Kulturdurst langsam aber sicher gestillt ist, lassen wir es uns einfach in
einem der vielen kleinen Straßencafes gutgehen und besuchen sonst nur noch das
größte rumänische Freilichtmuseum vor den Toren der Stadt.
Das
“Muzeul Astra Sibiu“ ist riesengroß, liebevoll in Schuß gehalten und
unbedingt einen Besuch wert.
Am
geplanten Abreisetag sind wir gespannt ob wir wohl heute unsere Vermieterin
wiedersehen werden, zwecks Schlüsselübergabe. Tatsächlich erscheint sie auch
bald, inspiziert kurz die Wohnung und wünscht nach zahlreichen Umarmungen und
Herzungen uns noch eine weiterhin gute Fahrt. Da wir langsam an die Rückreise
denken müssen, suchen wir uns zum Abschluß ein möglichst gebirgiges
und kurvenreiches Gebiet in den Karpaten.
Am
Abend kommen wir breit grinsend – der enormen Kurvenanzahl und der häufigen
Schotterpisten wegen - in dem kleinen Dörfchen Arisepi unter. Unsere letzte
Nacht in Rumänien ist auch die urigste, sind wir doch schließlich bei einer
Familie untergekommen die auf dem Hof ein kleines Sägewerk direkt vor unserem
Fenster betreibt und nur sehr spartanische Unterbringungsmöglichkeiten
vorsieht. Die sanitären Anlagen bestehen aus einem Plumpsklo - diskret an der
Seite des Hofes gelegen - und einem Kaltwasserhahn im Freien direkt im Eingang
zum Hühnerstall. Die wunderbar klare Bergluft und das tolle bäuerlich -
deftige Frühstück entschädigen jedoch für alles.
Nach
zwei Passüberquerungen und unzähligen Kurven auf griffigen Straßen durch eine
traumhaft schöne Gebirgslandschaft nähern wir uns mit Bedauern dem Flachland
und damit der Grenze zu Ungarn, die wir an einem kleinen Grenzübergang zwischen
Oradea und Arad passieren. Auf unserer Rückreise durch Ungarn und Österreich
lassen wir uns Zeit und die Erlebnisse Revue passieren.
Wir
haben ein Land kennengelernt das wahrscheinlich noch viele Jahre an seiner sozialistischen
Vergangenheit und damit einhergehender Mißwirtschaft wird arbeiten müssen.
Ein
Land dessen Menschen oftmals scheinbar mißtrauisch sind und sich erst
öffnen
indem man auf sie zugeht. Der Kontakt ist dann umso intensiver und geradezu
herzlich. Die Karpatenlandschaft ist nicht ganz so spektakulär wie z.B. die
Alpen doch dafür weit ursprünglicher und naturbelassener. Für den
Kulturbeflissenen bieten sich ungeahnte Möglichkeiten. Um das Land in seiner
ganzen Unterschiedlichkeit kennenzulernen bräuchte man sicherlich einige Monate.
Wir
sind uns einig: Wir werden wiederkommen!

ALLGEMEINE
REISEINFORMATIONEN
T
O U R S T A T I S T I K
Gefahrene Kilometer insgesamt : ca.
5300 (ca. 2200 davon in Rumänien)
Reisedauer
insgesamt: 4 Wochen, 3 Tage
(davon in RO: 3 Wochen, 1 Tag
Reisezeit: Mitte Mai - Mitte Juni 2000
Kosten (alles
inkl. für 2 Personen) : ca. 3200,- Euro
Anreise
Süddeutsche fahren am schnellsten via Autobahn durch Österreich
und Ungarn. Achtung: Vignettenpflicht in Österreich und Ungarn!
Norddeutsche können sich auch für den direkten und größtenteils
autobahnfreien – aber dafür auch zeitaufwendigsten - Weg quer
durch Tschechien, Slowakei und Nordostungarn entscheiden. Diese
Strecke ist recht reizvoll da man im slowakischen
Tatragebirge schon mal einen schönen Vorgeschmack auf Rumäniens Karpaten bekommt.
Einreise
Ein wenigstens drei Monate gültiger Reisepaß sowie die grüne Versicherungskarte
sind vorgeschrieben. Sollte der Fahrer nicht auch Halter des Fahrzeugs sein empfiehlt es sich eine Vollmacht des Halters mitzuführen da ansonsten das Fahrzeug als gestohlen angesehen wird. Nationaler Führer,- und Fahrzeugschein reichen
aus.
Geld
Rumänische Währung ist der Lei, unterteilt in 100 Bani. Der
Wechselkurs lag bei etwa 18000-20000 Lei für einen Euro (Stand Mai/Juni 2000). Der Schwarzmarkttausch steht unter
empfindlich hohen Strafen, ist gefährlich (viel Falschgeld im Umlauf)
und lohnt sich auch kaum. In großen Hotels, Restaurants und
Tankstellenketten werden auch zögerlich die gängigen Kreditkarten akzeptiert.
TIPP: Nicht zu
viel Geld eintauschen da sich der Kurs täglich um mehrere 100 Lei bewegt und bereits 100 eingetauschte Euro
jedes Portemonnaie zum Bersten bringen. Der Kurs bei den
freien Händlern in den Städten ist immer deutlich besser als bei den Banken.
Zur
sicheren Aufbewahrung der horrenden Geldscheinmengen haben sich große Geldgürtel bestens
bewährt.
Benzinversorgung
Auch in den entlegensten Gebieten reicht eine Reichweite von
200km völlig aus. Die Tankstellenketten haben meist sogar 24h geöffnet.
„Standard“ hat z.T. nur 85 Oktan.
„Premium“ hat mind. 91 Oktan,
„Premium super“ sogar 98 Oktan.
„Benzina fara plumb“ ist bleifrei und hat i.d.R. 91 Oktan.
Die Preise lagen Mai/Juni 2000 zwischen 0,45 und 0,65 Euro
für den Liter Premium.
Unterkunft
Camping ist nur bedingt zu empfehlen da Campingplätze erstens recht
selten und zweitens die Ausstattung meist sehr zu wünschen überlässt. Hinzu
kommt noch das ein festes Dach über dem Kopf kaum teurer ist. Sehr zu empfehlen
für denjenigen, der nicht übertrieben viel Wert auf Komfort aber umso mehr auf
Gemütlichkeit und Kontakt mit der Bevölkerung legt, sind die privaten
Zimmerangebote meist schon pensionierter Damen die hierdurch mit viel
Improvisationstalent ihre häufig sehr schmalen Renten aufbessern. Auch gut sind
die kleinen, privat geführten Gasthäuser. Diese beiden Übernachtungsmöglichkeiten
sind außerhalb der Touristenzentren- und erst recht in bäuerlichen Gegenden - leider noch sehr selten.
TIPP: Da die meisten Privatleute ihren Nebenerwerb nicht an
die große Glocke hängen wollen (Stichwort: Finanzamt!) sind
entsprechende Hinweise an der Straße selten. Gezieltes Nachfragen in den
kleinen Lebensmittelläden längs der Hauptstraße brachte uns so manchen „Insidertip“
ein. In größeren Orten gibt es auch überall Hotels aller Preisklassen wobei
echte Luxushotels noch sehr selten sind. Privatunterkünfte im DZ + Frühstück
kosten pro Person zwischen 8 und 15,-Euro, im einfachen Hotel zwischen 10 und
25,-Euro.
Reisezeit
Problemlos von Mai bis Ende Oktober zu bereisen. Besonders schön
sind Mai (Blütezeit) und September / Oktober, des schönen Herbstes
wegen. Rumänische
Schulkinder haben sehr lange Sommerferien (ca. Mitte Juni bis
September), so dass es in dieser Zeit v.a. bei den Sehenswürdigkeiten zu
reichlich Trubel kommen kann. Die wärmsten und zugleich regenärmsten Gebiete sind im Süden an der
bulgarischen Grenze und an der Schwarzmeerküste.
Kriminalität
Fakt ist, das die Kriminalitätsrate in Rumänien nicht höher
liegt als in den westlichen
Nachbarstaaten. Motorräder sollten trotzdem möglichst gut gesichert in Schuppen
oder Garagen untergestellt werden. In vielen Städten gibt es außerdem bewachte Parkplätze. In Großstädten, an Bahnhöfen oder ähnlichen Plätzen sollte man sich vor Taschendieben in acht nehmen. Auch um ganze Bettlergruppen sollte man einen großen Bogen machen, da sie hin
und wieder,- v.a. bei Westtouristen- urplötzlich einen Kreis bilden der jede angedachte Gegenwehr
ad absurdum führt. Meiner Meinung nach ist der beste Diebstahlschutz immer noch einfach der, nicht zu zeigen was man alles so hat (und evtl. damit
auch noch rumzuprotzen). Wertsachen unter Verschluß zu halten (Kamera
im Rucksack u.ä.) und generell gilt: was ich nicht dabei habe kann mir auch nicht gestohlen werden!
Literatur
Reiseführer sind selten und schwieriger zu bekommen als für manch abertausende Kilometer entfernte Enklave in Zentralafrika. Häufig
muss bestellt werden. Brauchbar und v.a. kunsthistorisch sehr informativ ist „Rumänien“ von Ebba Hagenberg-Miliu, erschienen im DuMont Buchverlag,ISBN 3-7701-4448-1
Karten
Aktuelles Kartenmaterial verschicken
- kostenlos - aber in sehr bescheidener
Qualität, die rumänischen Touristenämter. Die
ADAC-Karte „Rumänien“ im Maßstab 1:500.000km ist ganz passabel. Alle
anderen, in Deutschland erhältlichen, Karten hatten entweder einen noch größeren
Maßstab oder waren gerade nicht lieferbar. Wanderer (bzw. Enduro)karten gibt es
zumeist kostenlos in recht guter Qualität direkt vor Ort in den lokalen
Touristenbüros.
Endurofahren
Das rumänische Straßennetz ist teilweise so marode und von
so
vielen Schotterstrecken geprägt, das der gemäßigte Reiseendurist schon
hier auf seine Kosten kommen kann.Wer es etwas kerniger liebt dem bieten sich fantastische Möglichkeiten in den Karpaten. Verbotsschilder sind die große Ausnahme und die Menschen –
bei angepasstem Verhalten unsererseits! - sehr tolerant. Damit dies auch so bleibt hat jeder selbst in der „Gas“hand.
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