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Motorradtransport

 

    

 

See,- oder Luftfracht?

Kann man das Motorrad nicht selbst ins Startgebiet der Reise fahren, muss es transportiert werden. Grundsätzlich muss nun zunächst einmal festgelegt werden - See,- oder Luftfracht? Diese Entscheidung fällt nicht leicht, da beide Transporte gravierende Vor,- und Nachteile haben. 

 

Luftfracht
Vorteile: Leichte Organisation. Wenig Stress. Im Ankunftsland in der Regel wenig Probleme bei der temporären Einfuhr, da übliche und standardisierte Transportform. Kurze Transportdauer also auch längere Verfügbarkeit des Motorrades. Viele all-inclusive Angebote am Markt. Keine Standschäden am Motorrad.
Nachteile: Der Preis!

 

Seefracht
Vorteile:
Der Preis!
Nachteile: Im Prinzip die Vorteile des Lufttransports. Standschäden sind bei kürzeren Transporten natürlich nicht zu erwarten, bei überlegtem Vorgehen (einsprühen mit WD 40 / Totalpfleger) gibt es auch keinen Rost. Längste denkbare Transportdauer: Maximal 5 Wochen bis ans andere Ende der Welt. Besonders empfehlen kann ich Spediteur Olaf Kleinknecht.

 

Entschieden?

Dann muss beim Seetransport meistens, beim Flugtransport immer eine entsprechende Motorrad-Transportkiste beschafft werden. Im folgenden habe ich einige grundsätzliche Hinweise zusammengetragen und für alle do-it-yourself Freaks als Anregung unseren Holzkistenbau dokumentiert.

Transportkiste

 

Grundsätzliches

Transportkisten sollten so stabil wie möglich gebaut werden, da im Speditionsgewerbe mitunter sehr "rustikale" Arbeitsmethoden zur Anwendung kommen. Auch der Deckel sollte sehr stabil sein, denn die Chance das oben drauf etwas transportiert wird ist groß. Beim Seetransport ist dies sogar grundsätzlich so, da es im Container auf Stapelbarkeit ankommt. Ist die Kiste nicht stapelbar (schwacher Deckel) kann unter Umständen auch der nicht nutzbare Raum oberhalb der Kiste bis zum Containerdach berechnet werden! 

Wer die Transportkisten der Motorradhersteller nutzen möchte, sollte daran denken das diese nach allen Seiten hin offen sind. Das haben die Speditionen nicht so gerne und ist nebenbei auch ein denkbar schlechter Diebstahlschutz. Als Minimalforderung reicht es mit stabiler Verpackungsfolie (liegt in jeder Spedition herum) das ganze Ding einzuwickeln, wer dann noch ein stabile Spanplatte (mindestens 25mm) als vollflächigen Deckel anbringt ist auf der sicheren Seite.

Die Kiste sollte immer so klein wie irgend möglich gebaut werden, da sich in der Regel die Beförderungstarife am Volumen und nur nachrangig am Gewicht orientieren.

Meistens reicht es schon aus die Verkleidungsscheibe und das Vorderrad des Motorrads abzubauen. Wer es auf die Spitze treiben möchte, baut auch noch das Hinterrad aus und den Lenker ab.

Das Motorrad sollte sehr sorgfältig und akkurat in der Kiste verzurrt werden. Keinesfalls darf sich das Motorrad in der Kiste stark bewegen, ansonsten wird es durch die Rollbewegungen eines Schiffstransports die Kiste oder sich selbst nach und nach zerlegen.

Ein riesiger Vorteil der Motorradtransportkiste ist die Möglichkeit das gesamte Reisegepäck mitzutransportieren.

Für Neuseeland und Australien gelten strenge Einfuhrbestimmungen. So ist es vorgeschrieben einzuführendes Holz (Kiste!) grundsätzlich so zu behandeln, das die europäische Schlupfwespe nicht in den Poren des Holzes eingeschleppt werden kann. Gasbehandlung mit Sirtex® oder Hitzebehandlungen sind hier gängiger Standard. Diese Holzbehandlung hätte jedoch in unserem Fall 150 € gekostet. Der Kistenbau weitere 150 €. Fertig konfektioniert und behandelt also satte 300 €! 

Wir haben aber auch mehrfach gehört das Reisende mit unbehandelten Holzkisten in Australien problemlos eingereist sein. Gut wer so locker durchkommt! 
Wenn es nicht so gut läuft, ist es teilweise möglich
die Kiste vor Ort kostenpflichtig verbrennen zu lassen. Im ungünstigeren Fall wird für einen bestimmten Zeitraum die Kiste oder gar der gesamte Container kostenpflichtig in Quarantäne gesteckt und begast. Das kostet dann schnell einige Tausend Dollar!

Und dann kam zuguterletzt DER Tipp: Der Palettenbaubetrieb schlug vor eine Kiste aus Spanplatten zu bauen, denn das sei per Definition gar kein Holz und hätte überdies im Herstellungsprozess bereits so hohe Temperaturen erreicht, das die Temperaturbehandlung somit schon inklusive sei! Eine solche Kiste hätte wegen der aufwändigeren Stabilisierung der labilen Spanplatten aber auch 230 € gekostet.

 

Beschaffung

Auch für dieses Problem gibt es natürlich professionelle Lösungen die man kaufen oder mieten kann. Einschlägige Firmen finden sich im Anzeigenteil der Motorradzeitschriften. Diese sind dann zumeist aus Metall, weswegen länderspezifische Einfuhrbesonderheiten (Schädlingsbekämpfung) hier nicht greifen. 

Überdies gibt es Palettenbaufirmen die solche (Holz)kisten auch nach Maß und Wunsch des Kunden fertigen, oftmals sogar recht günstig. Diese Unternehmen haben dann auch das nötige Know-How zu wissen in welchen Ländern welche Bestimmungen herrschen. Stichworte, die angesprochen werden sollten, heißen: Länderspezifische Schädlingsbekämpfung, Holzbehandlung, Zertifizierung.

Unser Tipp: Am günstigsten - oft sogar geschenkt - und sehr stabil sind die originalen Blechverbundkisten der Motorradhersteller. Bei den nächsten Transporten werden wir nur noch darauf vertrauen. Kaum Arbeit, minimale Kosten, minimales Maß und Gewicht, einerlei Einfuhrbeschränkungen.

 

Selbstbau

Zunächst haben wir 5 Bodenschienen aus 3 aufeinander geleimten und verschraubten 25mm Spanplatten gefertigt. Dieser stabile, unterfahrbare Boden ist wichtig, da es möglich sein muss mit dem Gabelstapler die Kiste anzuheben. Mit wasserfesten Lackresten dick eingepinselt wegen Gefahr der Stehnässe. Da drauf dann eine 32mm Platte als Boden verschraubt und genagelt.

 

Im nächsten Schritt mittels Holzresten einen Anschlag für die Gabel gebastelt und möglichst platzsparend je 2 Löcher für die Zurrgurte eingebracht.

 

Jetzt wurde es kniffelig: Das Motorrad ohne Vorderrad runterlassen! Mittels Gurten und Verkeilung des Hinterrades stabilisierten wir die Fuhre um sie mit dem Wagenheber vorne ein wenig anzuheben. Dann das Vorderrad raus. Holzbalken unter die Gabel und Motor, Wagenheber runterlassen und wegnehmen. Da die Gabelfüße jetzt nur noch 10cm vom Boden entfernt waren haben wir den Klotz unter der Gabel einfach weggeschlagen. Jetzt mussten aber 2 Leute das Motorrad festhalten!

 

Dann in die Ecken je einen Pfosten aus drei zusammengeleimten und verschraubten 25mm Platten mittels Blechwinkeln befestigt. Als nächstes konnten wir dann schon die Frontplatte befestigen. Die Front,- und Heckplatte haben wir so berechnet, das sie unten vollflächig in die äußeren Bodenschienen geschraubt werden kann, erst dann in die Eckpfosten. Diese Verbindung ergibt größtmögliche Stabilität!

 

Nun können die Seitenteile dran. Alles mit langen Spaxschrauben satt verschrauben. Durch die Pfosten und Schienenbefestigung stützt sich alles gegeneinander ab, da wackelt nix. Deckel drauf, abspannen, beschriften und ab zum (Flug,- oder See-) Hafen damit. Maße: H=131cm---L=230cm---B=95cm

 

Schlussbetrachtung

Wir haben uns für dieses recht große Kiste entschieden, da unser Spediteur diese Maße als gebräuchlich bei Motorradtransporten bezeichnete. Die nächste Kiste würden wir mit der gewonnenen Erfahrung doch etwas kleiner bauen, denn seitlich war noch viel ungenutzter Raum. 

Insgesamt haben wir ca. 135 € dafür ausgegeben und rund acht Stunden auf den Bau verwendet. Nebenbei hat es auch noch ziemlich viel Spaß gemacht!

 

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