Kroatien 2004

"Endurospass und Baden im Motorradparadies!"

 

              

20h Fahrt liegen jetzt, am Sonntagmorgen hinter uns. Von der Enduromania in Südwestrumänien kommend, über Südungarn sind wir nach Kroatien eingereist und jetzt stehen wir also endlich im Hafen von Porec. Nach einem kleinem Frühstück suchen wir unsere gebuchte Unterkunft bei Hans und Ines in Tar, nahe Porec, auf und legen uns erstmal ab. Der Tag vergeht mit auspacken, Umgebung erkunden und endet bei einigen Julitschka, einem köstlichen, likörartigem Birnenschnaps, der hier ziemlich trendy ist. Am Montag geht es zum relaxen ans Meer. Was für ein genialer Kontrast zum tagelangen rumsuhlen im rumänischen Dreck! Das herrlich klare Wasser hat 20°C und ist sensationell klar. Umständlich - und gelegentlich auch schmerzhaft! - ist aber der Weg ins Wasser. Besteht doch der Küstenbereich aus mehr oder weniger großen Wackersteinen. Nun ja, die Steine sind es aber auch die es erst ermöglichen, das das Wasser hier so klar ist. Nachmittags lernen wir dann Mate kennen.

 

  

 

Mate kommt aus Mannheim und arbeitet dort als Fluglotse, hergekommen ist er mit Transporter und Yamaha WR 400. 
Kurz entschlossen machen wir uns am Dienstag gemeinsam auf eine erste Erkundung der hiesigen Offroadmöglichkeiten. 

 

 

 

Die mündlichen Streckenbeschreibungen von Hausherr Hans sind leider verwirrender als hilfreich und so sehen wir uns genötigt nur mit Hilfe der 100.000er Istrien - Karte durchzuschlagen. Leider nur mit mäßigem Erfolg...! 
Anfangs brettern wir noch mit teilweise mehr als 80km/h über breite Schotterstrecken bis kurz vor Grosnijan. Später landen wir dann in Motovun wo wir uns an einer Eisschokolade laben. Viel zu oft enden jedoch die Wege auf den Feldern der kleinen Bauerngehöfte, die wir immer wieder passieren. Mate´s Orientierungsgeschick ist es letztlich zu verdanken, dass wir doch noch einige Strecken kombinieren können und so eine tolle Runde zustande kommt. Am Abend werden wir 150km gefahren haben, immerhin 90km davon sind offroad.

 

Am nächsten Tag haben wir uns - unter anderem - die alte Eisenbahnstrecke nach Motovun als Route vorgenommen. Es geht auch deutlich flüssiger voran als gestern, da sich unser "Streckenmacher Mate" so langsam auf die Karte eingeschossen hat und Kombinationen ahnen gelernt hat, wo eigentlich keine sind... So entdecken wir dann auch die beste Strecke die wir bisher überhaupt gefahren sind. Enduromania eingeschlossen!

 

  

 

 

 

 

Zunächst ist es noch ein beschilderter Fahrradweg, der dann in einen unbeschrieben Waldweg übergeht und uns an einen intensiv türkis leuchtenden "Berggumpen" führt. Nach einigen Fehlversuchen finden wir dann wieder den vermutlich richtigen Weg und landen an einer romantischen, weinbewachsenen Waldschänke in dem kleinen Weiler Kotli, wo wir uns ein köstliches, verspätetes Mittagessen einverleiben. Einem Bachbett folgend, geraten wir wiederum auf Feldwege, die uns schließlich an ein kleineres Flüsschen führen, das es nun zu queren gilt.

 

     

  

 

Mate gibt ordentlich Stoff und kommt mit stotterndem Motor im reichlich tiefen Wasser mächtig in die Bredouille. Thomas und ich suchen vorsichtshalber lieber nach einer Alternative... Diese finden wir denn auch; das Wasser ist hier auch viel flacher, dafür ist die Uferböschung extrem steil und der gemeinschaftliche Überschlag kann nur mit knapper Not verhindert werden. 
Weiter geht es über knackige Steinstufen mehrere Hohlwege hoch und runter. Der gesamte Talweg endet schließlich nach knapp 30km an einer Hauptstrasse und hat uns bis dahin durch eine fantastisch abwechslungsreiche Natur geführt. Nach gut 200km Fahrstrecke - davon wohl an die 100km offroad - kommen wir abends wieder bei Hans und Ines an.

 

 

 

Ein köstliches Rosmarin - Hähnchen mit gebackenen Kartoffeln (sowie der eine oder andere Julitschka...) runden diesen traumhaften Tag perfekt ab. Der Donnerstag wird von Tanja und mir für einen Trip nach Grosnijan - ein kitschigschönes Künstlerdorf im Inselinnern (exzellentes Freiluftrestaurant am Dorfplatz!) - genutzt. Viele Detailaufnahmen der alten Bauten sind die Folge. 

 

           

 

Bei einer guten Pizza verabschieden wir uns abends von Mate, der am nächsten Tag noch weiter in den Osten von Istrien fahren wird, wo es ein großes, unterhaltenes Offroadgelände bei Rabac geben soll. 
Wir machen uns am frühen Freitagmorgen auf den Weg und kommen nachts wieder in Bielefeld an.
 
Die zweite Woche nach der Enduromania für Kroatien freizuhalten, war eine gute Entscheidung. 
Die Infrastruktur und die touristische Erschließung Istriens ist mehr als perfekt. Relaxen am Meer ist ebenso gut möglich wie engagiertes, legales Angasen im zumeist steinigen Geläuf der istrischen Halbinsel. 
Ein fantastischer Offroadurlaub geht leider viel zu schnell zu Ende...

 

 

Randbemerkung: Immer wieder hatten wir eingefleischte Städter unterwegs reichlich Gelegenheit uns zu gruseln vor der großen Artenvielfalt der kroatischen Tierwelt!

 

           

 

REISEINFORMATIONEN

 

Anreise
In unserem Falle von Südwestrumänien kommend, via Südungarn und Nordkroatien, bis zur adriatischen Küste bei Porec. Alles in allem ca. 1000km!

 

Unterkunft
Thomas hatte zufällig durch Internetrecherche die Seite von Ines und Hans gefunden. Ein deutsch - kroatisches Paar das "angeblich" eine enduroorientierte Pension in Tar, nahe Porec, "führen will". Die Unterbringung war wirklich günstig, die Zimmer gut, das Essen super. Nur die Endurostimmung - als einzige Mopedfahrer inmitten von deutschen Rentnern! -  wollte nicht so recht aufkommen... Unprofessionell war auch, das die beworbenen, geführten Touren einfach nicht angeboten wurden und die Tourenvorschläge nur mündlich und zudem noch völlig unbrauchbar waren. Alternative Unterkünfte gibt es rund um Porec zuhauf, ist halt ein echtes Touristenzentrum!

 

Endurofahren
Eine gute Karte vorausgesetzt, findet sich im Hinterland reichlich interessantes Gelände. Besonders angenehm ist, das man richtig kernig angasen kann, immer aber mal eben zu einer Pause in eines der vielen kleinen, meist hübschen Städtchen der dicht besiedelten Halbinsel abbiegen kann. Zwar keimen schon die ersten Fahrverbotsschilder an häufig frequentierten Strecken, doch verliert sich das, sobald man die Küstenregion verlässt. Eine verantwortungsbewusste Fahrweise vorausgesetzt, wird sich dieser Zustand noch eine ganze Weile halten können. Die Untergründe sind überwiegend steinig und trocken, wenig weiche Böden.

 

Grenzen
Da man reichlich Grenzen quert sollten die Papiere stets griffbereit sein. Mehr als ein Personalausweis wurde - trotz der Motorräder auf dem Hänger - nie verlangt.

 

Währung
Noch gilt der Kuna, unterteilt in Lipa. Der Kurs war in 06/2004 (grob umgerechnet) bei ca. 10Kuna / Euro.