"Korsische Kurven,- und Küstenkombination"





So, da sind wir also. Wie eigenartig! Vor 4 Tagen hieß unser Ziel eigentlich noch Schweiz und Westalpen, doch waren da noch alle interessanten Pässe gesperrt. Kurz entschlossen kamen wir auf die Idee, doch mal Korsika zu bereisen. Wollten wir eh schon immer mal hin. Gesagt, getan und nach einer ersten Autobahnetappe erreichen wir die Schweiz und stellen unser Zelt auf. Tags drauf treffen wir schon früh nachmittags am Fährhafen in Savona, nahe Genua, ein und genießen bei 22°C und strahlendem Sonnenschein das schöne Wetter. Da schmeckt der Cappuccino gleich doppelt gut! Ein Ticket für die Nachtfähre ist schnell erstanden und nach ruhiger Überfahrt stehen wir um 7 Uhr morgens im Hafen von Bastia. Und die Sonne scheint schon jetzt aufs angenehmste! Zügig erreichen wir auf traumhaften, aber auch sehr engen Strassen, nach gut 80km unseren, im Reiseführer gewählten, Campingplatz in der Nähe des schönen Städtchens I´lle-Rousse. Endlich können wir das elende Geraffel vom Moped schmeissen, denn hier werden wir erstmal bis auf weiteres Station beziehen. Bei 2 Leuten auf einem Motorrad mit Zeltausstattung und komplettem Kochequipment kommt schon so einiges zusammen. Genaugenommen geschätzte 510kg und damit 50kg mehr als die Polizei erlaubt. Und auf diesen superengen, reichlich gewundenen Sträßchen ist wirklich jedes Kilo eins zu viel!
I`lle-Rousse ist einfach wunderschön, wie wir bei einem entspannten Bummel
durch den Hafen und den altertümlichen Markt feststellen. Mit einem guten Buch
in der einen und einem Cappuccino in der anderen Hand lässt es sich hier
wirklich prächtig entspannen. Zudem ist hier unser favorisierter Supermarkt beheimatet, den wir
täglich begeistert frequentieren. Einfach unglaublich was diese französischen
Supermärkte an Köstlichkeiten offerieren. Ständig kaufen wir mehr ein als wir
verbrauchen können....
Nach diesen ersten Tagen der Rekonvaleszenz brechen wir auf zur Cap Corse
Umrundung. Dazu fahren wir die 80km zurück nach Bastia um den
Insel"finger" mit dem Lauf der Sonne zu befahren: also östlich beginnend,
gegen Nachmittag dann am Cap und mit der im Westen verlaufenden Sonne an der
Westküste dann wieder südwärts. So ist eine günstige Belichtung
gewährleistet

Diese Umrundung ist zwar anstrengend aber auch wunderschön! Anstrengend wird es vor allem wegen der abschnittsweise ziemlich schlechten Strasse, sie ist enorm eng, schlaglochübersät und für uns schon fast zu kurvig. Zeitweise schalte ich nur zwischen dem ersten und zweiten Gang hin und her! Die Westküste ist im abendlichen Licht einfach traumhaft. Ganz oben am Cap befindet sich das malerische Centuri-Port, ein nach wie vor bewirtschafteter Langustenfischereihafen in dem wir den Fischern entspannt beim Netze richten zuschauen.

Corte, die heimliche Hauptstadt im Herzen der
Insel, ist unser nächstes Ziel. Auf dem Weg dahin, soll es natürlich möglichst
genußvoll und kurvenreich werden. Also studieren wir die gute Michelin Regionalkarte
345 und merken schnell, dass es wohl egal ist, welchen Weg wir
einschlagen, versprechen doch alle Strassen ein wahres Eldorado für Kurvenfreaks
wie uns zu
sein. Der N197 folgend, passieren wir schon bald unseren ersten korsischen Pass,
den Col de
Colombano und haben in dieser guten halben Stunde Fahrzeit kaum eine
Handvoll Fahrzeuge gesichtet. Trotzdem ist vorausschauende Fahrweise sehr
empfohlen, überraschen doch immer wieder plötzlich auftauchende Kühe, Ziegen
und anderes Getier den genüßlich schwingenden Fahrer. Auch die tierischen Hinterlassenschaften sind einerseits hilfreich, da gute Indikatoren,
weil das
dazugehörige Getier wohl nun nicht mehr fern sein kann, andererseits ist es die
korsische Antwort auf bundesdeutschen Bitumen, wie wir feststellen konnten. Schon bald kreuzen wir die korsische Eisenbahn in dieser wunderschönen
Landschaft, die mit ihren grünen Hügeln und den kleinen Bächen uns
verblüffend an
Irland erinnert. An einem Viadukt machen wir Rast und geniessen die
in voller Blüte stehende Natur.

Über Ponte Leccia gelangen wir auf der
Hauptstrasse N 193 zügig nach Corte. Sie ist die einzige Universitätsstadt Korsikas, entsprechend lebendig und quirlig
wirkt die Stadt. Die
vielen jungen Leute fallen uns vor allem deshalb so auf, weil Korsikas Bevölkerung erheblich überaltert
ist und seit Jahren eine erhebliche Landflucht erlebt. So erklären sich auch
die verstreut liegenden, kleinen Dörfchen - vor allem im Inselinneren - die
wie ausgestorben erscheinen. Den Nachwuchs zieht es entweder an die
Küstenorte um dort im Tourismusbereich zu arbeiten, beziehungsweise gleich aufs - meist
französische - Festland.
Außer dem Tourismus bietet Korsika den jungen Leute leider nicht viele
Karrierechancen.
Corte ist auch Ausgangspunkt für Exkursionen in die
wildromantische Restonica-Schlucht.
Die D623 führt uns zunächst durch einen
breiten Einschnitt am gleichnamigen Bergbach, der hier unten - jetzt, zur Zeit
der Schneeschmelze - schon eher einem Fluss gleicht, langsam und heftigst
gewunden im meist ersten und zweiten Gang stetig aufwärts. Dabei wird die
Schlucht immer enger, der Fluss reissender und auch die Strasse immer schmaler.
Oben angekommen sind wir heilfroh hier nicht mit dem Auto durch zu müssen. Fahrbahnbegrenzungen sind kaum vorhanden und damit überhaupt zwei Autos
aneinander vorbei kommen, müssen schon mal die Spiegel eingeklappt werden. Eine
gut geheizte Berghütte versorgt uns mit Tee und dem typisch korsischen
Zuckergebäck das es in allen Geschmacksrichtungen gibt. Dummerweise regnet es
hier aus Eimern und die Temperatur ist auf lausige 8°C gefallen, so dass zur
thermischen Regeneration einige Tees fällig werden. Leider ist uns durch das schlechte Wetter
auch der Blick auf den Monte Rotondo mit seinen beachtlichen 2622 Metern verwehrt. Zurück in
Corte erinnert nichts mehr an das schlechte Wetter in kaum 15 km Entfernung. Als
wir an unserem Camp ankommen, zeigt der Km-Zähler gerade mal 160km Fahrstrecke
an. Genau das zeichnet aber auch das Motorradfahren auf der Insel aus: die
Strassen sind häufig so schmal und die Kurvenradien so eng, das man sich meist
nur in der ersten Gängen bewegt und entsprechend wenig Kilometer
"schafft".
Die alte Festungsstadt Calvi mit ihrer prominent an der Küste gelegenen hohen
Zitadelle besuchen wir anderntags.
Zwar ist das Städtchen und vor allem
die Zitadelle, sehr pittoresk und einen Besuch wert. Den Bummel durch die
Altstadt kann man sich unserer Meinung nach aber sparen, da es entschieden
zu stark touristisch ausgeschlachtet wird.Nach 4 Tagen auf dem Camp dürstet es uns nun nach neuen Zielen.
Über die - nun schon bekannte - Strecke nach Corte, gelangen wir an die
Abzweigung auf die D84 nach Calacuccia und weiter nach Porto. Die gut 80km
Streckenführung der inselinneren Strasse als grandios zu beschreiben ist noch
untertrieben. Wir brauchen mit einigen Fotostopps für die Strecke fast 5
Stunden...! Über den schönen Stausee bei Calacuccia geht es über den Col de Vergio
(immerhin 1477Müm), durch das Wanderermekka Evisa und schließlich runter zur
Küste nach Porto. Auf unserem Weg erleben wir kaum nennenswerten Verkehr, viele
frei lebende Schweine (handzahm!) und geschätzte 10.566 Kurven... Ich glaube
mich erinnern zu können einmal kurzzeitig tatsächlich den 4. Gang eingelegt zu haben...

In Marine de Porto angekommen finden wir schnell das vom Reiseführer versprochene Hotel "Le
Panorama" für 20 Euro die Nacht. Da fällt das Campen gerne mal aus... Gekocht wird aber weiterhin in Eigenregie, da das Essengehen
horrend teuer ist. Wie wir auch hier wieder
feststellen, beherbergen die korsischen Supermärkte ganz allgemein eine
solche - aus Deutschland nicht gekannte - Fülle an Delikatessen und
Köstlichkeiten, das schon der Einkauf zum Erlebnis wird. Da wird das selber Kochen zum
Genuß!
Die Küste rund um den Golfe de Porto ist in doppelter Hinsicht protektiert:
Erstens ist die Region korsischer Nationalpark und zweitens zudem noch UNESCO -
Weltnaturerbe, so das die Verschandelung der Landschaft durch übertriebenen
Tourismus, gottlob, kaum möglich ist. Wollen wir hoffen, das das noch lange so
bleibt. Die einmalige Küstenregion hat es verdient!
Der D81 südwärts, Richtung Ajaccio, folgend, stoßen wir schon bald in die Calanche. Diese stark erodierte Gesteinsformation ist vor allem Spätnachmittags sehr beeindruckend, da die Abendsonne den Fels in leuchtend rote Farben taucht.

Bei einem sehr genussvollen Besuch des nördlich gelegenen Fango Tals müssen
wir leider feststellen, das der korsische Asphalt andere Anforderungen an Reifen
stellt als der bundesdeutsche. Links wie rechts sind die Reifenseiten quasi
pulverisiert!
Da wir aber ohnehin schon übermorgen wieder Richtung Bastia aufbrechen werden,
ist das wohl mit "gebremster Gashand" noch zu tolerieren. In Bastia
haben wir schnell wieder ein Ticket für die Fähre organisieren können und
sogar noch Zeit die Stadt etwas zu erkunden. Doch die Hektik der pulsierenden Hafenstadt lässt uns schon bald erschöpft in die Cafesessel sinken und dem
Trubel mit einem Cappuccino in der Hand aus der Ferne zuschauen.
Nach einer ruhigen und erholsamen Übernachtfahrt kommen wir um 7 Uhr morgens in Italien an
und beschließen bei einem Butter - Croissant und dem unvermeidlichen Cappuccino
noch einen Schlenker über die Westalpen zu unternehmen. Sollten doch
mittlerweile schon einige Pässe mehr geöffnet sein. Und so ist es dann auch.
Über das schöne Susa - Tal und den (eigentlich noch gesperrten) Col du Mont
Cenis gelangen wir auf französischen Boden. Nachdem wir anderntags noch eine
traumhafte Runde um den soeben eröffneten Col du Galibier gedreht haben, nehmen
wir dann endgültig Kurs Norden und sind nach einer abschließenden Etappe
von knapp 1200km wieder zu Hause.

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R E I S E I N F O T E I L
Anreise
Je nach Herkunftsort
kann man zwischen vielen Fährhäfen wählen. Sei es Toulon, Nizza oder Marseille auf französischer Seite oder Savona,
Genua, Livorno, Piombino oder La Spezia auf italienischem Festland. Die
Abfahrtsorte und -zeiten sind durch das Internet bequem zu finden und wer
mag, auch direkt online zu buchen. www.faehren-online.de oder
www.google.de
bringt einen da weiter. In der Vorsaison haben wir mit 2 Personen und einem Motorrad ohne Kabine
einfache Fahrt 96,- Euro bezahlt. Das Vorort - Kaufen ist unproblematisch.
Finanzen
Korsika ist insbesondere in der Hauptsaison teuer! Da wir in der frühen Vorsaison unterwegs waren, haben wir darunter allerdings
nicht so sehr zu leiden gehabt. Wir fanden in etwa ein leicht erhöhtes
Deutschlandniveau vor.
Essen und
Trinken
Die
korsische Küche ist abwechslungsreich und im besten Sinne sehr französisch.
Man kann sehr gut und delikat speisen, muss dafür aber auch tief in die
Tasche greifen. Angebotene Billigmenüs für 15,- Euro in Touristenzentren sind,
unserer Meinung nach, zumeist das Geld nicht wert und enttäuschend.
Abgeschieden in kleinen Dörfern im Inselinneren sieht die Welt da schon ganz
anders aus. Wie schon erwähnt sind die Supermärkte wirklich ein Traum und
Selbstverpflegung deshalb eine gute Alternative.
Motorradfahren
Je leichter,
wendiger und handlicher, umso besser. Eine Supermoto wäre wohl das ideale
Gefährt. Die Strassen sind meist sehr eng, wegen der vielen Berge, Hügel
und hochschiessender Macchia aber auch unübersichtlich und enorm kurvig. Da der
Asphalt gröbstem Schmiergelpapier gleicht, braucht man sich um mangelnden Grip
in den Kurven nun wirklich keine Sorgen machen. Eher schon um die Haltbarkeit des Reifens...
Benzin
Immer und überall
verfügbar. Allerdings sind häufig nur diese - nicht immer leicht zu
verstehenden - Tankautomaten aufgestellt. Normalbenzin ist in etwa 10 Cent teurer als in
Deutschland.
Sicherheit
Die
Diebstahlsrate gerade von Motorrädern ist beachtlich hoch, vergleichbar mit
Südfrankreich. Deshalb haben wir unser Motorrad immer sorgfältig gesichert und
erfreulicherweise keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Übernachtungen
Campingplätze
und Hotels sind reichlichst verfügbar. Wenn all diese Plätze knapp
werden, sollte man sich ohnehin nicht mehr auf der Insel aufhalten, da es dann
unglaublich voll sein muss. Ein Campingplatz kostete so zwischen 10 und 20 Euro
die Nacht. Ein Hotel meist ab 45 Euro aufwärts.
Reisezeit
In der Hauptsaison zwischen Mitte Juni und Ende August
wird die Insel von Franzosen und Italienern "überrannt". Entsprechend
voll ist es dann und auf den engen Sträßchen wohl kaum noch entspanntes
Kurvenschwingen möglich. Auch die Preise befinden sich dann am oberen Ende. In der Nachsaison ist die Landschaft karg, von den häufigen Macchiabränden
gezeichnet und sonnenverbrannt. Hingegen in der Vorsaison: die Insel blüht, saftig grün
schießt alles aus dem Boden, der Tourismus
hat noch keine nennenswerte Größe und mit
den wenigen Einheimischen kann man jetzt noch leichter als sonst in Kontakt kommen.
Deshalb für uns eigentlich keine
Frage: Nur Vorsaison!
"G O C O R S E!"