Enduromania 2004
Enduro"manisch" in Rumänien
Naja, so ein wenig underdog-mäßig kommen wir uns schon vor, mit unseren Suzuki DR 350 S aus dem letzten Jahrtausend unter lauter KTM`s, DR-Z`s und WR`s. Aber was solls? So eine Enduromania soll ja schließlich eher eine touristisch orientierte Geländefahrt, als ein Wettbewerb sein!
Sehr angetan, sind wir bei von der warmherzigen und lockeren Art. Kaum angekommen, werden wir
herzlich begrüßt und bei einem
Kaffee zwanglos und locker über alles aufgeklärt. Die Zimmerbesichtigung überrascht erneut aufs angenehmste: Niegelnagelneu ist unser riesiges,
komplett in Holz ausgebautes Zimmer im 1. Stock eines gepflegten Häuschens,
keine 500m von dem zentralen Anlaufpunkt der Enduromania - einer ehemaligen
Schule - entfernt. Nach dem Entladen und ein
wenig relaxen bekommen wir
unsere speziellen Enduro - Karten und alles wesentliche zum Fahren in dieser
Gegend ausgehändigt. Einfach Super! Haben wir dadurch doch einen
ganzen zusätzlichen Tag zum Fahren gewonnen, da wir schon Samstagsnachmittags
angekommen waren! Da die Enduromania für uns eine Premiere darstellt und wir
auch noch nie um Punkte, nach Roadbooks - oder überhaupt irgendwie wettbewerbsähnlich!
- unterwegs
waren, wollten wir zunächst einmal schauen, wie schwierig es denn sein wird
diese ominösen Kontrollpunkte zu finden. Diese gilt es nämlich möglichst
sinnvoll aneinander zu reihen und dann abzufahren. Je mehr hochwertige
Kontrollpunkte man gesammelt hat, umso höher der Punktestand. Im Prinzip haben
alle die gleichen Chancen, denn es gilt, grob zusammengefasst, folgende Regel:
Nahe, fahrerisch einfach zu erreichende Punkte sind niedrig bewertet; nahe,
fahrerisch schwierigere, entsprechend höher. Weit entfernte Punkte haben immer
hohe Werte, da man von diesen nicht viele erreichen kann, usw. Fährt
man also um den Sieg, kommt es auf geschickte Routenplanung und gesunde
Selbsteinschätzung der fahrerischen Kompetenzen im Team an. Doch all das steht
bei uns gaaaaanz weit hinten an: Wir wollen einfach nur in einer
schönen Gegend legal Endurofahren.
Früh am Sonntagmorgen brechen wir voller Tatendrang
endlich los: Wieder die sehr schlechte "Strasse" herunter, Richtung
Slatina Timis. Diese haben wir - unbewusst der Tatsache, dass es einen wesentlich besseren Weg hierhin
gegeben hätte und der gefahrene Weg nur für Allradler empfohlen ist - unserem alten
Automatik - Mazda mit Hänger zugemutet! Weiter
geht es ins nahegelegene Armenis und ab hier folgen wir dann der
Kontrollpunktbeschreibung. Über steile, lehmschmierige Hohlwege führt uns der
Weg hoch auf einen kleinen Berg, wo wir dann auch tatsächlich die Wiese mit den
versprochenen Kirschbäumen finden, an dessen einem der Kontrollpunktnagel prangen
soll. Doch
wir finden ihn einfach nicht!
Erstmals beschleicht uns die Gewissheit, dass wir ohne GPS-Unterstützung manche KPs wohl nur schwerlich finden werden. Egal! Es soll ja ums Endurofahren gehen, und der Weg hierauf war schon besser als alles was uns bisher in Deutschland - mehr oder weniger illegal - unter die Stollen gekommen ist. Nach etwas herumsuchen und viel Intuition kommen wir in einer schönen Schleife an der Ostseite des Berges wieder runter und laben uns im nahen Teregova an dem einen oder anderen Espresso. Laut Karte geht es ab hier über 25 km Länge - via einer "ungeteerten Strasse" - zurück zu unserem Heimatdörfchen Brebu Nou. "Vielleicht der bessere Weg für unser Auto?" fragen wir uns noch und pröttern gutgelaunt und mit Entdeckergeist die "ungeteerte Strasse" hinauf. Zunächst lässt es sich auch gut an, doch dann wird der Weg zunehmend morastiger und der Schlamm tiefer und tiefer. Die Wahl der Fahrspur wird zunehmend zur Wahl des kleineren Übels, denn der, der besseren Fahrbarkeit!
Wie schnell man trotz dieser widrigen Umstände fahren kann, wird mir immer dann bewusst, wenn plötzlich auftauchende Hunde uns mit lautem Gebell aus ihrem Revier vertreiben wollen. Erstaunlich, was dann noch für fahrerische Reserven abrufbar sind! Nach dem Besuch des Dreikreuzbergs, direkt oberhalb Brebu Nou, beschließen wir den ersten Fahrtag bei einem guten einheimischen "Ursus"-Bier.
Am Abend erfolgt die offizielle Begrüßung und Vorstellung der Teams durch den Vater der Enduromania Sergio. Unser Team besteht aus meiner viel besseren Hälfte Tanja, meinem Freund Thomas und mir. Der Teamname lautet bis auf weiteres: "Ham wa noch nich!" Am Montagmorgen nehmen wir uns gleich mal "den" Klassiker vor: den Muntele Mic! Leider trennen uns vom Gipfel fast 60km Asphalt, die erst noch ausgesessen werden wollen, bevor es endlich interessanter wird. Die Schotterserpentinen hoch zum Gipfel erinnern an die traumhaft schönen Schotterstrecken der Westalpen, nur geht es hier etwas rauher zu... Geschätzte 500m vor der Gipfelruine des Muntele Mic müssen wir leider den Gipfelsturm abbrechen, da uns 2 ausgewachsene Hütehunde energisch an der Weiterfahrt hindern. Zwei weitere Versuche die Hunde zu umgehen, scheitern ebenfalls am ausgeprägten Durchsetzungsvermögen der beiden. So sehen wir denn ein, das das wohl heute nix wird und machen uns auf in Richtung Cuntu, einem nahegelegenen Nachbargipfel. Der Forstweg durch dichten Nadelwald ist regendurchtränkt und wegen seinem hohen Lehmanteil enorm schmierig. Vor allem Thomas hat mit seinem halb abgefahrenen Hinterreifen Michelin T63 ganz schlechte Karten und so müssen wir leider auch hier - nach kaum 2 km Strecke - unsere Sachen packen und uns auf den Heimweg machen.

An der (Enduromania) Schule angekommen, lässt Thomas seine DR vorne und hinten
mit neuen Crossreifen des rumänischen Herstellers Romvelo bestücken. Und zwar
zu dem unglaublichen Preis von 75,- Euro all inclusive! Tags drauf machen wir uns auf die Suche nach dem dritten "deutschen"
Dorf in dieser Gegend der deutschstämmigen Banater Schwaben. Brebu Nou ist ein solches und heißt
eigentlich Weidenthal, das zunächst liegende, hieß Wolfsberg (heute Garana)
und - das von uns gesuchte - Lindenfeld. Der Weg führt uns zunächst durch lichten Laubwald, mit reichlich Wurzelwerk und einigen
saftigen Auf,- und Abfahrten. Doch endet leider schon bald die Detailgenauigkeit der Karte
und fragen ist angesagt als wir einen Schäfer erspähen. Dieser deutet uns dann
freundlich, zurück zu fahren und uns weiter nördlich zu halten.
Außer einigen reinen Wildwegen finden wir aber rein gar nichts
wegähnliches. Wieder
fehlt uns schmerzlich ein GPS - Gerät! Nun doch leicht enttäuscht müssen
wir auch hier wieder abbrechen und statten dem nahegelegenen Wintersportberg Semenic einen
Besuch ab. Dort, an einem kleinen Imbiss, treffen wir dann auch ein Team der
Enduromania, das sich aus einer grandiosen Verirrung heraus, hierhin gerettet
hat. Ohne die Motorräder! Die stünden noch im Bach, wie sie uns erklären und
im weiteren Verlauf von ihrer Übernachtung im Freien berichten! Da sage noch einer, die Enduromania sei ein lasches, touristisches
Herumgepröttel!
Nachdem wir uns gestärkt haben, sind wir wild entschlossen Lindenfeld ein weiteres Mal anzuvisieren und dieses Mal auch anzukommen! Als wir Wolfsberg passieren, entdeckt Thomas, den an seinem Haus werkelnden Helmut. Helmut ist ein ca. 50jähriger Schwabe der sich hier in Wolfsberg (Garana) ein Haus gekauft hat und nebenbei - in Lindenfeld! - eine Kirche restauriert!

Helmut ist Vollblutendurist und seit 8 Jahren in Folge Teilnehmer der Enduromania, dieses Jahr allerdings erstmals nicht, da er sich beim Sturz vom Vordach seiner Kirche ein Paar Rippen gebrochen hat. Ihn fragen wir nach dem rechten Weg und eh wir uns versehen, hat der rippenmalade Helmut seine 250er KTM angeschmissen und zeigt uns persönlich den Weg nach Lindenfeld.
Lindenfeld ist die Dorfidylle schlechthin. Eine Hauptstrasse die aus reiner Wiese - ohne jegliche Fahrspur! - besteht, hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Mittlerweile leben hier zeitweise allerdings auch nur noch 3 - 5 Familien...
Nachdem uns Helmut unseren ersten Kontrollpunktnagel gezeigt hat (Lindenfeld bringt immerhin 4000 Pkt.!), wagt er sich - mit uns im Schlepptau - an ein gewagtes Hindernis, das er bis dato mit seiner neuen KTM noch nicht bezwungen hat. Es ist einer der 5 reinen GPS - Kontrollpunkte. Dazu ist es vonnöten einen extrem schwierigen und steilen, als solchen nicht erkennbaren, Weg "hochzutrialen"! Der "Weg" ist ein steinerne, mächtig steile Rinne. Sie besteht aus gewaltigen, teils sehr hohen Steinstufen, der Untergrund ist der hier vorkommende, glitzernde Ölschiefer. Wo kein Stein, da lauern schmierige Laubreste und Geröll, das Ganze erschwert durch reichlich überhängende Äste! Kurz und gut: 2h später weiß Helmut, das er es auch mit seiner KTM schaffen kann und wir, das wir definitiv nicht "alles" fahren sollten! Zum moralischen Wiederaufbau lädt uns Helmut dann noch auf ein Fläschchen Wein ein und dabei lernen wir dann auch seinen Freund Martin und dessen Frau kennen, der darauf besteht, nichts anderes als Selbstgebrannten zu konsumieren. Wohl bekomms!
Als wir uns deutlich angeheitert auf den Rückweg machen, ist schon klar: Da war es wieder, das Salz in der Suppe einer jeden Reise! Die unbedingte Gastfreundschaft von Menschen, die es erst ermöglicht, hinter die Kulissen zu schauen und einen Einblick in den wirklichen Alltag der Menschen zu bekommen. Woran es liegt, das wir anderntags keinen großen Drang zum Mopedfahren verspüren, wird dem geneigten Leser klar sein... Am Nachmittag brechen wir dann aber doch noch mit dem Auto auf, das 60km entfernte Resita zu erkunden. Außer einem kleinen, typischen Markt und dem Lokomotivmuseum entdecken wir in dieser Industriestadt wenig bemerkenswertes.

Die Endurolust ist anderntags wieder voll da und so machen wir uns auf, die Scharte mit dem nicht erreichten Muntele Mic und dem Cuntu auszuwetzen. Um dorthin zu gelangen gibt es mindestens 2 Möglichkeiten: einfach den schönen Schotterserpentinen folgen oder über einen Wanderer - Waldweg abkürzen. Natürlich wollen wir das ausprobieren. Nach und nach wird der Weg heftiger, doch noch geht es ganz gut voran. Bis wir schließlich in einem kleinen Bach stehen und den weiteren Weg vorsichtshalber erstmal zu Fuß abklettern. Sollte es uns tatsächlich gelingen, die dicken Wackersteine des Bachs zu passieren, geht es direkt - sehr steil - schräg am, teils abgerutschten, Waldhang weiter. Da der gut mögliche Sturz wahrscheinlich übel ausgehen würde, brechen wir hier ab und nehmen die bewährten Serpentinen.
Diesmal ist kein Hund weit und breit und wir kommen endlich bis zur Ruine des Muntele Mic. Mit den frischen Reifen sollte jetzt also auch noch der Cuntu "fallen". Zunächst geht es auch erstaunlich gut voran, obwohl der Weg noch schwerer geworden ist, da es geregnet hatte. Schon bald kommt das erste ernste Hindernis: ein großer Baum der den Weg blockiert! Unten umfahren geht nicht, weil zu steil und total zugewachsen. Drüber heben oder drunter her geht auch nicht, weil zu massiv und umfangreich. Bleibt nur noch die Umfahrung oberhalb am Hang. Mit viel Mut und noch mehr Adrenalin im Blut suchen wir uns den Weg, den es nicht gibt und schaffen es! Die folgenden Auf- und Abfahrten werden zunehmend steiler, so dass wir auch hier wieder abbrechen, weil wir Sorge haben, die Abfahrten nicht mehr hoch zu kommen. Das macht uns aber nichts aus, da uns der Weg - wie auch alle vorangegangenen Abbrüche... -, bis dahin mächtig viel Spaß bereitet hatte.
Am letzten Fahrtag der offiziellen Enduromania - dem Freitag - beschließen wir, genussvoll und ohne Eile, den nun bekannten Weg nach Lindenfeld abermals zu fahren und dort noch einige Bilder zu schießen. Um 14h ist Wertungszettelabgabe und der Nachmittag, bis zur Siegerehrung abends um 21h, bietet sich an für Mopedpflege, Sachen packen, etc. Unser Team kassiert den Titel: "Der Weg ist das Ziel!" Treffender hätten wir selbst unsere erstmalige Teilnahme an der Enduromania wohl nicht betiteln können. Wir haben eine wunderschöne Landschaft genossen, nette Menschen kennengelernt, viele wichtige Erfahrungen gesammelt (Reifenzustand, GPS, etc.), uns über eine exzellente Organisation gefreut und sind endlich mal "satt" Enduro gefahren. Besser geht es nicht! Samstagmorgen geht es nach einem opulenten Frühstück auf die lange Autofahrt nach Kroatien, wo wir noch ein paar Tage der Rekonvaleszenz anhängen wollen...
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REISEINFORMATIONEN
Anmeldung
Kosten
128,- Euro für die Veranstaltung, Zimmer 12,-p. P/Nacht, Halbpension 15,-p. Tag.
Anreise
1600km für die Strecke Bielefeld - Rumänien. In Deutschland via Autobahn Österreich angepeilt, über vignettenpflichtige Autobahnen quer durch Österreich nach Wien. Am Grenzübertritt nach Ungarn eine Vignette "Matrica" für die kostenpflichtigen und sehr guten ungarischen Autobahnen besorgt und weiter in Richtung Südosten. Am rumänischen Grenzübertritt bei Mako geht alles schnell und unkompliziert vonstatten. Ab hier steuern wir via der gut ausgebauten E70 Temeswar an. Hinter Temeswar wird der Strassenzustand zwar schlechter aber nicht katastrophal. Wer Brebu Nou als Ziel hat, tut gut daran den Weg über Resita einzuschlagen. Der über Slatina Timis ist für normale PKW die Hölle.
Benzinversorgung
Ist schon ein kleines Problem. Da erst in 18km Entfernung Tankstellen zu finden sind. Da der Weg dorthin nicht gut zu fahren ist, sollte eine Tankung in die tägliche Routenplanung mit eingeplant werden. 150km Tankreichweite reichen aus.
Motorräder
Je offroadtauglicher umso besser, denn dann kann man mehr Kontrollpunkte anfahren. Aber es stimmt schon, das man die Enduromania auch mit Reiseenduros fahren kann. Nur ist der Aktionsradius halt deutlich beschnitten... Meines Erachtens sollte es (sportlich gesehen) mindestens eine DR 350 sein, damit kamen wir eigentlich überall hin. Motorleistung reicht vollkommen, Gewicht noch akzeptabel.
Bereifung
Das wichtigste! Wir hatten gutes Wetter, fast keinen Regen und trotzdem viel Schlamm und lehmige Untergründe zuhauf. Mit normalen Enduroreifen vom Schlage eines T63 oder TKC 80 tut man sich unnötig schwer. Sehr empfehlen kann ich die angebotenen Romvelo: robust, superbillig und durch das Crossprofil baggern sie wie nix durch den Schlamm und haben auch bei Lehm eine tolle Seitenführung. Bringt einfach erheblich mehr Spaß im Matsch!
Versorgung
Absolut perfekt von den Organisatoren geregelt! Alles kann besorgt oder organisiert werden! Kaffee und Tee ist ganztägig kostenlos. Alles andere ist sehr günstig. Im Nachbardorf Garana ist ein Restaurant, wenn man mal nicht in der Schule essen will. Empfehlenswert ist das allerdings schon, da die Köchinnen der Enduromania deutlich "mehr auf der Pfanne haben", als die im nahegelegenen Restaurant.